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Rahmenbedingungen und Vorüberlegungen

Im Rahmen der Zielvereinbarungen der drei lehrerbildenden Universitäten in Sachsen wurde die Einführung und Implementierung von Qualitätssicherungsinstrumenten für die Lehrerbildung festgeschrieben. Es besteht die Forderung, ein zukünftiges System QSL an bestehende Qualitätsmanagementsysteme der Hochschulen anzuschließen. Die Frage nach der Zertifizierung – in Analogie zur Systemakkreditierung – ist dabei eine offene. Das Vorgehen orientiert sich damit am gängigen Muster der Entwicklung von Qualitätsmanagementsystemen für Studium und Lehre:

„Das QM-Konzept muss einem geschlossenen Qualitätsregelkreis folgen, der sich an den PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) anlehnen sollte. Dabei müssen klare Qualitätsziele, Prozessschritte, Instrumente und Zuständigkeiten bzw. Akteure definiert werden. Die Qualität der Lehrerbildung in Sachsen soll, gemessen an den definierten Qualitätszielen, regelmäßig evaluiert werden. Basierend auf Evaluationsberichten ist ein interner Diskussionsprozess unter den Beteiligten zu initiieren, der letztlich in einen Planungsprozess zur Beseitigung von Schwächen, dem Ausbau von Stärken und damit der Verbesserung der Lehrqualität und studienorganisatorischer Rahmenbedingungen (insbesondere der Organisation der schulpraktischen Studien) mündet.“ (Projektantrag)

Angesichts der organisatorischen Komplexität der Lehrerbildung und der Vielzahl der beteiligten Akteurinnen und Akteure auf vielen verschiedenen Ebenen wirft der Anspruch, ein solches Vorhaben nachhaltig zu gestalten, einige Fragen auf:

  • Wie vermitteln wir die sehr verschiedenen QM-Modelle (zentral, dezentral; in verschiedenen Entwicklungsstadien) an den drei Standorten miteinander?
  • Wie integrieren wir bestehende Qualitätssicherungsstrukturen in ein solches Modell? Wie vermeiden wir Doppelstrukturen?
  • Was bedeuten die von außen vorgegebenen Strukturen und Inhalte der Studiengänge für unser Projekt?
  • Wie und zu welchem Zeitpunkt binden wir weitere (hochschulexterne) Akteurinnen und Akteure der Lehrerbildung in die Konzeptentwicklung ein?
  • Wie verbessern wir die Vernetzung des Lehramtsstudiums mit der zweiten Phase der Lehrerbildung?
  • Welche schlanken und effizienten Erhebungsinstrumente bieten sich angesichts der Komplexität der Lehramtsstudiengänge an? Wie viele Daten und Informationen sind prozessierbar?
  • Wie schaffen wir Transparenz hinsichtlich der Organisation der Lehrerbildung wie auch bzgl. der Qualitätssicherungsprozesse? Wie befördern wir die Entstehung einer Qualitätskultur?

Weitere Vorüberlegungen betreffen v.a. die Rahmenbedingungen, innerhalb derer Lehrerbildung sich abspielt. Die Implementierung eines QM-Systems in Strukturen, die historisch gewachsen sind, die von politischen und ökonomischen Anforderungen beeinflusst werden und darüber hinaus öffentlich finanziert und demgemäß rechtlich durchgeregelt sind, ist nur möglich, wenn diese Bedingungen reflektiert und als Interpretationsfolie für Evaluationsergebnisse genutzt werden.

Die Lehre rückt an den Hochschulen – angesichts schrumpfender Haushalts- zugunsten von Drittmittelfinanzierung – gegenüber der Forschung immer weiter in den Hintergrund (vgl. z.B. Koller/Klatt 2015). Gleichzeitig stiegen – durch den Bologna-Prozess noch weiter beschleunigt – die Studierendenzahlen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich, die Studierendenschaft wird immer heterogener, die Prüfungslast steigt für Studierende wie für Lehrende. Speziell auf die Lehrerbildung bezogen potenzieren sich diese Probleme durch die Anlage der Studiengänge als Mehrfachstudiengänge. Dazu kommt die Randständigkeit der Lehrerbildung ggü. den Fachstudiengängen sowie der der universitären Logik eigentlich widersprechende Praxisanspruch, der sich aus dem dahinterstehenden dezidierten Berufsbild und der dazu gehörigen Laufbahn ergibt. Eine zusätzliche organisatorische Schwierigkeit ergibt sich aus der LAPO-Abhängigkeit der Studiengänge: Änderungen der LAPO I ziehen unmittelbaren Änderungsbedarf an Studiendokumenten nach sich, und das nicht immer in angemessenen Zeithorizonten.

 


Literatur:

Koller, Sabine / Klatt, Matthias (2015): „Lehre in der Krise? Warum sich die Verhältnisse ändern müssen und nicht die Ideale“. In: Forschung und Lehre, H. 11, Jg. 22, 2015.

 

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