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Aktueller Stand Konzeptentwurf

Vor dem Hintergrund eine Reihe von Vorüberlegungen und Rahmenbedingungen hat die Projektgruppe QSL Sachsen einen ersten Entwurf eines Qualitätskreislaufes entwickelt, der noch einige Leerstellen und offene Fragen erkennen lässt, der aber die weitere Arbeit sinnvoll strukturieren und als Heuristik für weitere Überlegungen dienen kann (s. Abb. 1).

QM-Regelkreis Lehrerbildung SN

Abbildung 1: QM-Regelkreis QSL-Sachsen (Stand: 06. November 2015)

1. Qualitätsplanung

„Es gibt kein objektives Maß für Qualität […,] für ‚Qualitätsbeschreibungen‘ [müssen] zunächst Erwartungen und Kriterien definiert werden“ (Meinhold 2000, 77f.). Die Implementierung eines umfassenden Qualitätsmanagmentsystems benötigt einen Referenzrahmen als Orientierungsraster. Hier sind mit dem Bologna-Prozess und v.a. im Zuge der Akkreditierungsverfahren Entwicklungen in Gang gebracht worden, die auf die Festschreibung allgemeinverbindlicher Standards zielen. Wichtigste Quellen sind die Vorgaben der Akkreditierungsrates einerseits und der Kultusministerkonferenz (KMK) andererseits. Diese schreiben Mindeststandards für die Einrichtung modularisierter Studiengänge vor, welche im Sinne der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Studiengänge um eigene Zielstellungen ergänzt werden können. Dies geschieht in der Regel in Form von Leitbildern, welche den bestehenden Standards eine Vision beiseite stellen, Schwerpunkte formulieren und die Mission (den öffentlichen Auftrag) der Institution interpretieren.

Im Falle der Lehrerbildung sind neben den Akkreditierungsratskriterien v.a. die Standards für die Lehrerbildung der KMK richtunggebend, die wiederum in landesspezifischen Verordnungen bzw. Gesetzen ihren Niederschlag finden – im Falle Sachsens ist das die Lehramtsprüfungsordnung (LAPO I + II). Zudem haben die Hochschulen Leitbilder, die eine Orientierung an strategischen Zielen ermöglichen. Ein hochschulübergreifendes Leitbild für die Lehrerbildung in Sachsen sollte diese bestehenden Standards bzw. Orientierungen nicht verdoppeln, sondern sinnvoll ergänzen.

Ist der Referenzrahmen, der vorgibt, was Qualität bezogen auf den zu evaluierenden Gegenstand sein soll, gesetzt, werden daraus Qualitätsziele abgeleitet. Diese sollen nach der SMART-Regel spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminierbar sein.

2. Operationalisierung

Für die im Regelkreis vorgesehene turnusgemäße Überprüfung der Realisierung der Qualitätsziele gilt es, beobachtbare Indikatoren zu finden, diese zu operationalisieren und geeignete Messinstrumente zu finden. Hierbei wird sich einerseits auf die vorhandenen Repertoires aus bereits erprobten Studiengangsevaluationen an den drei Hochschulstandorten gestützt. Andererseits hat sich das Projekt das Ziel gesteckt, Instrumentarien zu entwickeln, die eine übergreifende Perspektive auf die Qualität der Lehramtsausbildung in Sachsen eröffnen. Ob dies in eigenständigen Erhebungen QSL erfolgt oder interessierende Fragen in bestehende Evaluationen im Sinne einer Omnibus-Befragung eingebunden werden, ist eine noch zu erörternde Frage und zudem mit Überlegungen zur Verstetigung der strukturellen und personellen Ausgestaltungen des QSL-Netzwerkes über den zeitlichen Rahmen dieses Projektes hinaus zu verknüpfen.

3. Qualitätssicherung

Die Qualitätsziele bilden die Grundlage für eine turnusmäßige Evaluation des Studiengangs. Neben dieser besteht die Qualitätssicherung als wesentlicher Bestandteil eines Qualitätsmanagementsystems und dessen operative Ebene aus weiteren Elementen, die jeweils andere Funktionen haben (s. Abb. 2). Das Konzept sieht in seinem bisherigen Zuschnitt hochschulspezifische Elemente sowie die Standorte übergreifende Instrumentarien vor. Hiermit soll die Anschlussfähigkeit des sachsenweiten Qualitätssicherungssystems der Lehrerbildung an die Spezifika der beteiligten Universitäten gewährleistet werden und gleichsam die Optik für eine gemeinsame Qualitätskultur geschärft und messbar werden.

Abbildung 2: Elemente der Qualitätssicherung, unterschieden nach Funktionen

Ein wichtiges dezentrales Element der Qualitätssicherung, das seit den 1990er Jahren sukzessive an allen Hochschulen in Deutschland entwickelt und implementiert wurde, ist die Lehrveranstaltungsevaluation. Deren genuine Funktion ist es, ein Feedbacksystem für Lehrende zu sein. Weiterhin werden Studiengänge flankiert von hochschulstatistischen Daten (Immatrikulations- und Bewerbungszahlen, Abbrecher*innen- und Absolvent*innenquoten, Prüfungsstatistik etc.), die in die jährliche Berichterstattung der Fakultäten an die Hochschulleitungen fließen. Die Lehrerbildung in Sachsen wird zudem durch eine (diskontinuierliche) Begleitforschung gerahmt, die i.d.R. problembezogenen Fragestellungen nachgeht und anlassbezogen bestimmte Schwerpunkte verfolgt. Die Lehrerbildung in Sachsen wurde innerhalb der letzten Dekade zweimal reformiert. Entsprechend befinden sich die neuen Staatsexamensstudiengänge (seit WS 2012/13) derzeit in der Konsolidierungsphase und haben „Kinderkrankheiten“, die möglichst im Prozess geheilt werden. Auch das Schulwesen selbst ist derzeit Änderungsprozessen unterworfen (Stichworte sind z.B.: Inklusion, neue Medien), denen auch die Lehrerbildung Rechnung tragen muss.

Sowohl Begleitforschung als auch die Lehrerbildungsforschung selbst analysieren unter dem Dach der Empirischen Bildungsforschung auf verschiedenen Ebenen die Erfolgskriterien des Lehramtsstudiums. Die Forschung kann – anders als Evaluationen – Antworten finden auf die Frage, welche Bedingungen ein erfolgreiches Lernen beeinflussen. Durch Evaluationen kann herausgefunden werden, inwiefern solche günstigen/idealen Rahmenbedingungen verwirklicht sind.

4. Rückkoppelung

Weiterhin stellt sich die Frage nach geeigneten Rückkopplungs- und Kommunikationsstrukturen für die Vielzahl der generierten Informationen. Hier geht es v.a. darum, die Ergebnisse der Qualitätssicherung zu bewerten, Änderungsbedarfe abzuleiten und ggf. Anpassungen der Qualitätsziele, Verfahren sowie Instrumenten vorzunehmen. Das bisherige Konzept sieht hierzu zwei Arbeitskreise vor: (1) Netzwerk QSL Sachsen, bestehend aus Mitarbeiter*innen der Lehrerbildungszentren der drei Hochschulstandorte (ZLSB, ZSL, ZSB) und dem Zentrum für Qualitätsanalyse der TU Dresden (ZQA) und (2) ein hochschulübergreifendes Beratungsgremium QSL Sachsen unter Einbindung des SMK, SMWK, der Sächsischen Bildungsagentur (SBA), des Sächsischen Bildungsinstituts (SBI), dem Sächsischen Bildungsrat und der Ständigen Kommission Lehrerbildung im Freistaat Sachsen (StaKo) mit Vertreter*innen der Zentren für Lehrerbildung, Prorektor*innen für Bildung sowie Vertreter*innen aus SMK und SMWK.

Den Überlegungen zu Kommunikations- und Rückkopplungsstrukturen legen wir ein Wissensmodell zugrunde, das unterschiedliche Wissensarten berücksichtigt. So liefern Kennzahlen und Evaluationen zunächst nur ein Diagnosewissen (Was ist kaputt?), welches durch ein Erklärungswissen (Warum ist es kaputt?) ergänzt werden muss, um in ein Handlungswissen (Wie reparieren wir das?) überführt zu werden (vgl. Terhart 2015, 6f.). Die Überführung von Diagnosewissen in Handlungswissen wirft dabei einige Fragen auf:

  • Wo kommt das Erklärungswissen her? – z.T. von den Akteuren an der Basis, z.T. aus der Forschung
  • Wer braucht überhaupt welche Information? An welcher Stelle, von welchen Gremien müssen die Ergebnisse von Studiengangsevaluationen und Begleitstudien diskutiert werden?

Und weiterführend:

  • Welche kommunikativen Strukturen müssen aufgebaut werden? Wie erhalten diese verbindlichen Charakter?
  • Was sind die Voraussetzungen für den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems in der Lehrerbildung?
  • Wie gelangen wir angesichts der Komplexität der Studiengänge zu schlanken und effizienten Evaluationsverfahren?

Um diese Fragen zu klären, die Leerstellen im Konzept zu füllen sowie die Grundlagen für ein QM-System für die Lehrerbildung zu schaffen, ist derzeit folgender grober Zeitplan angedacht.

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Literatur

Meinhold, Marianne (2000): „Von der Evaluation zur Qualitätssicherung“. In: HRK (Hg.): Im Aufbruch. Evaluation an Hochschulen. Beiträge zur Hochschulpolitik 9/2000. Bonn, S. 77-88.

Terhart, Ewald (2015): „Wie geht es weiter mit der Qualitätssicherung im Bildungssystem – 15 Jahre nach PISA?“ In: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 65. Jg., H. 18/19, S. 3-10.

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